Friedrichstraße, Regierungsviertel Berlin

Mitte plant neue Fahrradstraße

Verkehr in Mitte

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06.02.2017, Peter Neumann Berliner Zeitung Foto: IMAGO

 

Berlin - Rund neun Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in Mitte in den Radverkehr investiert, nun geht es weiter. Im Bezirk sollen weitere Straßen Fahrstreifen für Radfahrer kommen, auch eine neue Fahrradstraße ist vorgesehen. Doch der Stadträtin Sabine Weißler geht das alles viel zu langsam. „Wir haben Geld, wir sollen Personal dazu bekommen – doch das Problem sind die Anordnungen“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag. „Im Schnitt vergehen mehrere Jahre, bis sie da sind.“ Wenn sich das nicht ändere, werde es schwierig, den Koalitionsvertrag umzusetzen.

Rot-Rot-Grün hat große Erwartungen geweckt. „Die Koalition verfolgt die Errichtung von im Regelfall mindestens zwei Meter breiten Radstreifen entlang des Hauptstraßennetzes“, so die  Vereinbarung. Überall Radlerspuren: ein schönes Ziel. Aber ist es in absehbarer Zeit erreichbar? In Mitte ist man offenbar skeptisch. „Man muss sich hohe Vorgaben setzen“, so Weißler. „Doch damit das in den nächsten fünf Jahren klappt, müsste viel passieren.“

Die Stadträtin, die seit Ende 2016 auch für die Straßen im Bezirk zuständig ist, nahm sich die Zeit, aus dem Nähkästchen zu plaudern – und um Verständnis für die Verwaltung zu werben, die oft mit Radfahrern zu tun hat, die ungeduldig auf Verbesserungen warten. Viel Zeit vergeht, ehe Bauarbeiter ausrücken dürfen, um Radfahrstreifen zu markieren, sagte sie. „An den Verfahren sind unglaublich viele Behörden beteiligt.“ Viele andere Themen werden berührt, von Parkplätzen über Nahverkehr bis hin zu Ampeln.

Holperstrecke verschwindet

Für die meisten Verkehrsthemen ist nicht nur der jeweilige Bezirk zuständig, sondern auch die Verkehrslenkung Berlin (VLB), die beim Senat angesiedelt ist. Im Fall eines  Zebrastreifens in der Lehrter Straße in Moabit dauerte es 13 Jahre, bis von ihr die letzte Anordnung eintraf. Bei Schutz- oder Angebotsstreifen, wie die Radlerspuren im Behördendeutsch heißen, nimmt das Verfahren meist zwei bis drei Jahre in Anspruch, teilte die Stadträtin mit.

So steht auch die Liste mit neuen Projekten, die Weißler und ihr Mitarbeiter Siegfried Dittrich am Montag vorstellten, unter Vorbehalt – dass die nötigen Anordnungen der VLB rechtzeitig kommen.

Was ist in Mitte geplant? „Wir setzen die Sanierung des Radwegs in der Seestraße fort“, sagte Dittrich. Die Wege entlang des Autobahnzubringers sind eine der ärgsten Holperstrecken, die Radfahrer in Berlin bewältigen müssen. Wo die Möglichkeit besteht, sollen sie auch verbreitert werden – auf zwei Meter. Weitere Radwegsanierungen stehen in der Strom- und der Sickingenstraße an, sagte Dittrich.

Neue Radfahrstreifen plant das Bezirksamt in der Budapester und Stülerstraße, in der Annen-, Hannah-Arendt- und der Französischen Straße. Auch in der Chausseestraße, heute noch für viele eine Horrorroute, sollen Radlerspuren markiert werden – sobald die BVG dort ihren U-Bahn-Tunnel saniert hat.

Auch weitere Fahrradstraßen sind vorgesehen. Am weitesten sind die Planungen für den Straßenzug Togo- und Antwerpener Straße gediehen, sagte die Stadträtin. „Fahrradstraßen sind ein wichtiges Instrument, das wir  weiter entwickeln wollen.“ Sie schaffen Schonräume, in denen sich Radler sicher fühlen können. Dort dürfen sie nebeneinander fahren, es gilt Tempo 30. Falls nötig muss noch langsamer gefahren werden. „Anliegerverkehr bleibt möglich“, so Weißler.

In Mitte stehen die quadratischen weiß-blauen Verkehrszeichen schon in der Linien-, der Choriner, der Roch- und der Max-Beer-Straße. Die 720 Meter lange neue Fahrradstraße soll  Keimzelle der Radroute werden, die den heutigen Standort der Beuth Hochschule für Technik mit dem geplanten neuen Campus auf dem Tegeler Flughafengelände verbinden soll.

Unter den Linden bald tabu?

Sabine Weißler fährt selber Rad. Und wie viele andere Radfahrer ärgert auch sie sich darüber, dass an vielen Bahnhöfen Stellplätze fehlen und dass auf vielen Straßen das Radfahren keinen Spaß macht. „Die Reinhardtstraße finde ich schrecklich“, meinte die 58-Jährige.

Nicht weniger, sondern mehr Radverkehrsanlagen sind ihr Ziel. Dazu passt aber nicht, was Rot-Rot-Grün ebenfalls im Koalitionsvertrag vereinbart hat. Unter den Linden, eine der am stärksten genutzten Ost-West-Radrouten, soll Fußgängerbereich werden. Doch die Grünen-Politikerin sieht noch offene Fragen. „Das wird man sich genau anschauen müssen“, sagte  sie. Vielleicht müsse man in der Fußgängerzone das Radfahren erlauben.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25686492 ©2017